Stadtgefühl
So fühlt sich Carrara an
In Carrara spürt man die raue, stolze Energie einer echten Arbeiter- und Bildhauerstadt. Der weiße Marmorstaub verleiht den Plätzen und Brunnen eine besondere Leuchtkraft unter der toskanischen Sonne. Aus den offenen Werkstoren der Bildhauerateliers dringt das rhythmische Klopfen von Hammer und Meißel. Auf der Piazza Alberica sitzen Einheimische und Künstler bei einem Espresso zusammen und diskutieren lebhaft. Die gewaltigen weißen Bergflanken der Apuanischen Alpen ragen wie schneebedeckte Gipfel direkt hinter den Häusern auf. Die Bewohner pflegen eine eigenständige, geradlinige Herzlichkeit fernab von höfischem Prunk. Der Geruch von Bergkräutern und herzhaftem Lardo liegt in den höher gelegenen Dörfern in der Luft. Carrara wirkt kraftvoll, geschichtsbewusst und tief mit dem harten Handwerk seiner Steinbrüche verwurzelt. Reisende erleben eine faszinierende Arbeitskultur, die seit Jahrtausenden die Kunst der Welt beliefert.
Geschichte & Kultur
Zwischen Vergangenheit und Gegenwart
Die Geschichte der Stadt begann im zweiten Jahrhundert vor Christus mit der Gründung der römischen Siedlung Luni an der Mündung der Magra. Von dort aus verschifften die Römer den begehrten Marmor als Marmor Lunense für monumentale Bauwerke im gesamten Imperium. Im Mittelalter wuchs die Siedlung Carrara heran und stand lange unter der Herrschaft der Bischöfe von Luni und der Adelsfamilie Malaspina. Großfürst Alberico I. Cybo-Malaspina gestaltete die Stadt im 16. Jahrhundert mit repräsentativen Mauern und Plätzen neu. Michelangelo Buonarroti reiste persönlich wiederholt nach Carrara, um in den Bergen die feinsten Marmorblöcke für seine Statuen auszuwählen. Im 19. und 20. Jahrhundert entwickelte sich unter den Steinbrucharbeitern eine starke anarchistische Bewegung, die für Arbeitnehmerrechte und Freiheit stritt. Bis heute gilt Carrara als internationales Mekka für Bildhauer, die an der traditionsreichen Akademie ausgebildet werden. Die Pflege dieser handwerklichen Meisterschaft bildet das unvergängliche kulturelle Fundament der Stadt.